Von Christoph Berger – 24.08.10 – Kategorien: Allgemein
Wie Handelsblatt.com am letzten Samstag berichtete, fordert Umweltminister Norbert Röttgen laut einem Eckpunktepapier für das künftige Energiekonzept der Bundesregierung einen Kurswechsel bei der energetischen Gebäudesanierung. Die Energieeinsparvorschriften für Neubauten seien zwar streng, Bestandsgebäude müssten aber nur dann nachgerüstet werden, wenn ohnehin Sanierungen anstehen, Ein- und Zweifamilienhäuser seien ganz von Nachrüstpflichten ausgenommen. Die Zeitung schreibt, dass Röttgen damit nun Schluss machen wolle, er spreche in dem Papier von der “Einführung einer umfassenden Sanierungspflicht für bestehende Gebäude”.
Damit spricht der Bundesumweltminister ein Thema an, das Herbert Reul, Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie im Europäischen Parlament, in seinem Vortrag auf der diesjährigen Consense bereits zu einem der Hauptthemen für die Zukunft erklärt hatte. Reul plädierte bei seinen Überlegungen für das Modell des Anreizes. Kommt, was Röttgen in dem Eckpunktepapier fordert, ist nicht der Anreiz die Motivation, sondern die Pflicht vor dem Gesetz.
Fotonachweis: Matthias Lüdecke / BMU
am 25. August 2010 um 09:48 Uhr
Immowelt.de ließ 1029 Personen zu einer energetischen Sanierung ihrer selbstgenutzten Immobilien befragen. Heraus kam, dass 77 Prozent bereit wären, in eine bessere Dämmung zu investieren, sie würden dafür 15.000 Euro ausgeben. 12 Prozent der Befragten würden sogar 20.000 bis 50.000 Euro investieren.
Nicht beantwortet wird jedoch, was der Konjunktiv in den Antworten soll. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit es tatsächlich zu einer Sanierung kommt. Jeder der Befragten könnte ja eigentlich sofort damit beginnen.
Welche Voraussetzungen müssten Ihnen gegeben werden, damit Sie in die Sanierung Ihrer Immobilie investieren?
am 25. August 2010 um 14:15 Uhr
Ich halte es für sehr schwer so ein “Eckpunktepapier” durchzusetzen, weil die Hausbesitzer sich sicher gegen eine Zwangssanierung wehren werden.
Wenn der Plan dennoch umgesetzt werden sollte, dann halte ich es für zwingend notwendig, dass der Staat einen zinslosen Kredit für diese Sanierungen bewilligt. Das wäre auch für mich ein Anreiz so eine Sanierung durchzuführen.
am 25. August 2010 um 14:39 Uhr
Ein schwieriges Thema. Emotional gesehen, ist es mir natürlich lieber, wenn Immobilienbesitzer aus Einsicht und Überzeugung (oder gerne auch aus finanziellen Erwägungen) zu einer Sanierung bereit sind. Eine Pflicht, wozu auch immer, erzeugt meist reflexartig eine Abwehrhaltung. Dennoch: Eigentum verpflichtet. Das gilt insbesondere auch für Immobilien. Und warum sollte dort nicht möglich sein, was wir z.B. bei Autos (nahezu klaglos) hinnehmen, nämlich die Pflicht zu einem bestimmten Standard (und sei es zunächst “nur” die Pflicht zu Kat, Rußfilter etc.).
Ich denke, eine Verpflichtung ist der richtige Weg. Dabei muss allerdings nach Gebäudeklasse und nach dem Baujahr, vielleicht auch nach dem Marktwert der Immobilie unterschieden werden. Denn ob eine Investition wirtschaftlich und zumutbar ist, hängt nicht zuletzt auch von diesem Faktoren ab. Die Wirtschaftlichkeit ist es jedoch, mit der man Eigentümer am ehesten vom Sinn einer Sanierung überzeugen kann. Und dann wird die “Pflicht” zur gern gesehenen Kür.
am 8. September 2010 um 17:47 Uhr
Was für Konsequenzen wird dieses Merkelsche- Energiekonzept haben (laut Presse haben viele Parlamentarier über dieses Vorhaben gejubelt – jubeln Sie auch?):
1) Häuser, die sich wirtschaftlich nicht mehr zu sanieren lohnen, würden einen rapiden Preisverfall haben, bis hin zur Unverkäuflichkeit. Dies dürfte schätzungsweise ca. 50% des deutschen Hausbestandes ausmachen.
Dies ist schlimmer als der 2. Weltkrieg (was die Vernichtung von Sachwerten in der BRD betrifft).
Ganze Stadtviertel könnte man abreißen. Vielleicht ist das ja insgeheim gewollt – aufgrund des geringen Nachwuchses und der geringen Einwanderung.
2) Wenn Sie ein älteres Haus besitzen und noch eine größere Restschuld haben, werden sie evtl. Probleme mit Ihrer Bank bekommen. Denn ggf. sinkt der Wert Ihres Hauses unter den Wert der Hypothek. Ihr Haus wäre z.B. mit 180% Prozent verschuldet. Die Bank würde Sonderzahlungen fordern oder zusätzliche Sicherheiten. Können Sie die aufbringen?
3) Die erhoffte Zinssenkung durch eine Anschlussfinanzierung (sogenannte 60% Finanzierung mit günstigerem Zinssatz) wäre futsch!
4) Sie haben Ihr Haus vielleicht zur Alterssicherung gekauft, um es hinterher zu verkaufen und sich z.B. eine altengerechte Wohnung zu kaufen oder einen Altersheimplatz damit finanzieren zu können – Pustekuchen! Sie können von Glück reden, wenn Sie für Ihr altes Haus, das sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr sanieren lässt, überhaupt noch etwas bekommen.
5) Sie haben ein Haus gekauft, um ihren Kindern oder Enkeln etwas zu vererben? Die werden das Erbe wahrscheinlich ausschlagen (müssen), denn ein älteres Haus zu sanieren, soll nach Berechnung von Fachleuten ca. 600 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter kosten. Das sind bei einer Hausgröße von 170 Quadratmetern bis zu stolze 204.000 Euro. Haben sie so viel Geld angespart? Oder bekommen Sie z.B. als Rentnerin oder Rentner eine Hypothek über so einen hohen Betrag mit 30 Jahren Laufzeit???
Diese Seite des Energiekonzeptes, wenn es denn so umgesetzt wird, ist
Deutschlands 11. September!!!
Merkel – was tust Du dem Deutschen Volke an???
am 15. September 2010 um 21:56 Uhr
Eine gesamtheitliche Gebäudesanierung ist wirtschaftlich in vielen Fällen nicht vertretbar bzw. unrentabel. Dies hängt nicht nur von der energetischen Gebäudebeschaffenheit ab, sondern von vielen weiteren Rahmenbedingungen wie z.B. Lage und Marktwert/Mietwert des Objektes, Alter und Bonität des Eigentümers, Zinssituation am Markt, etc. Angesichts leerer Kassen dürften flankierende Förderprogramme eher knapp ausfallen und ohne signifikante Förderprogramme – die über zinslose Darlehen hinausgehen müßten -sehe ich von vorneherein keine Erfolgschancen für das vorgeschlagene Eckpunkteprogramm.
Die Befürchtungen eines rapiden Preisverfalls für eine Vielzahl von Immobilien mit all den beschriebenen Begleiterscheinungen sehe ich im übrigen kommen, ungeachtet des Eckpunkteprogramms. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Gebäudemarkt werden den Leerstand an Wohnungen signifikant nach oben treiben und gleichzeitig massive Preisabschläge für viele Gebäude bedingen. Dabei werden sanierte Gebäude bzw. Wohnungen mit niedrigen Energiekosten und hoher Wohnqualität zu den Gewinnern zählen. Insofern kann eine geeignete Sanierung eine höchst sinnvolle Investition sein, auch ohne gesetzliche Vorschrift. Die 1200 Euro je Quadratmeter zur Sanierung erscheinen mir deutlich zu hoch gegriffen.
am 15. September 2010 um 22:15 Uhr
Wie Focus Online und andere Medien heute berichten, rudert die FDP in der Sache Gebäudesanierung etwas zurück. Demnach sagte der baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Sebastian Körber: “Wir wollen Anreize setzen, aber keine Zwangssanierungen anordnen.” Dies könne ein Mix aus Anreizen und finanzieller Förderung sein.
@Helmut Hummler
Ihrer Ansicht “… Insofern kann eine geeignete Sanierung eine höchst sinnvolle Investition sein, auch ohne gesetzliche Vorschrift” stimme ich voll zu.
am 21. September 2010 um 16:33 Uhr
Eine Meinung die ich hier wiedergeben möchte:
“Das Thema Energiekosten bei Gebäuden bewegt die Besitzer nachwievor bei vielen Diskussionen an Ewo-Ständen kommt oft der Tenor:
“Wie kann ich mein Gebäude (Efh, Mfh) am günstigsten heizen?”
Wegen steigender Preise immer ein aktuelles Thema im Frühjahr hat sich ein Besitzer gefreut, dass er 6000 L Heizöl zu ca. 50 ct kaufen konnte und somit wieder für 2 Jahre überschaubare Heizkosten hat.
Eine energetische Sanierung ist auf jeden Fall eine – auch finanziell – größere Aktion, deren Sinn und Notwendigkeit nicht immer erfasst wird, bei älteren Hausbesitzern ist das manchmal auch verständlich – soll ich für meine restlichen 10/20/?? Jahre da noch investieren?
Die Häuser wurden ja gebaut, als die Energiekosten sehr niedrig waren 60er Jahre – 25 Pfg./L Heizöl, Einscheibenverglasung usf. bis heute.”
am 6. Januar 2011 um 12:45 Uhr
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