Von Christoph Berger – 17.08.10 – Kategorien: Allgemein
Die öffentliche Diskussion über Googles Fotodienst Street View ist momentan in vollem Gang. Verhandelt werden dabei auch die Einspruchmöglichkeiten der Bürger, die Möglichkeit, das eigene Haus verpixeln zu lassen, damit es von Nutzern des Dienstes nicht erkannt wird. Doch wie ist es mit so einem Einspruch? Wird nicht gerade durch solch einen Einspruch die Verbindung zwischen Bild und Besitzer hergestellt? Natürlich erst einmal nicht öffentlich. Aber eine Unternehmen wie Google wird dann die Verbindung herstellen können und vielleicht auch irgendwann nutzen.
Fotonachweis: Google
am 17. August 2010 um 16:40 Uhr
Es ist so lächerlich wie sich die deutschen Politiker aufführen. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagt: “Die Leute wissen nicht, was sie da erwartet!”. Hallo?? Hat der Mensch Internet? Streetview gibts schon seit Jahren und jeder kann es sich anschauen.
Keiner der Porlitiker weiß wohl das es Geomarketingunternehmen gibt die mit dem Geld verdienen was Google mit Streetview machen will. Die Unternehmen haben jedes Haus in Deutschland fotografiert verknüpfen es mit soziodemographischen Daten und verkaufen diese.
Deutschland hat sowieso schon soviel Nachholbedarf in Sachen Internet und wenn dann auch noch unsere “Volksvertreter” so gegen neue Technologien hetzen dann Gute Nacht “Technologienation Deutschland”
am 18. August 2010 um 18:37 Uhr
Also, ich verstehe schon, dass Leute Einspruch dagegen erheben. Wäre ich Hausbesitzer oder wäre meine Wohnung von der Straße aus einsehbar, würde ich auch überlegen, dies zu tun. Denn nur, weil es das eine – etwa die Geomarketingunternehmen – schon gibt, heißt das ja nicht, dass ich mit einer anderen Form und einem weiteren Unternehmen einverstanden bin. Gäbe es bei all den anderen Formen ein Einspruchsrecht, würde ich dies wahrscheinlich auch wahrnehmen. Bei all dem sollte man sich zumindest auch die Gegenargumente anhören und sich über weitere Konsequenzen im Klaren sein, nicht das Misstrauen einfach beiseiteschieben.
Wie in meiner Überlegung angedeutet, gibt man durch die Wahrnehmung seines Widerspruchrechts anscheinend eine ganze Reihe von persönlichen Daten preis. Im ersten Kommentar dieses Textes wird von einer Beschreibung des Hauses, der Nennung des Namens, der E-Mail- und Postadresse gesprochen.
Dass die ganze Aufregung erst jetzt kommt, verstehe ich hingegen auch nicht, die Autos von Google fahren schließlich schon seit drei Jahren durch das Land.
am 19. August 2010 um 13:50 Uhr
Ich kann die Aufregung auch beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich habe keinerlei Bedenken, wenn meine Wohnung im Vorbeifahren neben anderen tausenden Wohnungen fotografiert wird.
Ich sehe derzeit eigentlich nur Vorteile: Wenn man am Wochenende in eine andere Stadt muss, kann man sich schon mal die Straßen um das Hotel ansehen – vielleicht findet man ja einen netten kleinen Italiener…
am 19. August 2010 um 15:13 Uhr
Moin … um mich jetzt nicht wieder zu sehr in etwas zu steigern, verweise ich mal auf meinen Artikel zum Thema Google Street View auf Bloszene von heute morgen http://www.blogszene.com/google-street-view-deutschlands-neuestes-armutszeugnis.html
Freue mich über Kommentare jeder Art ;)
am 20. August 2010 um 13:36 Uhr
Als Häuslebesitzer/-bewohner mit freiem Einblick auf mein Grundstück von allen (oder fast allen Seiten) habe ich auch etwas dagegen, es dem reisenden Einbrecher aus entfernteren Ländern, in denen sich Einbruch wegen der Armut der Restbevölkerung oder Extremschutz der High-Society nicht lohnt, so einfach mit dem Ausbaldowern lohnenender Objekte vom PC von zu Hause aus zu machen. Er muss sich jetzt nicht mehr langzeitig mit dem Ausspionieren lohnender Objekt vor Ort befassen (erhöhtes Risiko der Entdeckung durch Nachbarn oder Polizei), sondern kann jetzt als Profi schon zu Hause erkennen, ob und wie weit das Haus von den Nachbarn einsehbar ist und von welcher Seite und welchem Zugang her die geringste Gefahr der Entdeckung und der vermutlich geringste Widerstand besteht.
Umweltpolitisch und wirtschaftlich natürlich vollkommen korrekt, er spart unnötige Anfahrwege und Benzin.
Das Thema ist natürlich für Bewohner von Wohnblocks oder Hochhäusern nicht so aktuell (außer für die Bewohner des Erdgeschosses). Hier führt der Weg mit der o. g. Ausnahme immer über das Treppenhaus zum Wohnungseingang. Dieser Bereich ist ja nicht einsehbar bei Street-View.
am 20. August 2010 um 14:42 Uhr
Ich nutze Google Maps und Earth regelmäßig. Hoffentlich kommt nicht, wie schon die Militärs, noch jemand auf die Idee, dass man auch auf der Satellitensicht sein Grundstück pixeln lassen sollte.
-> Das ist für Einbrecher noch viel hilfreicher als eine Hausfassade. Diese ist aber z.B. bei Hotelsuche oder vor einem geplanten Umzug sehr hilfreich…
Ich habe oft den Eindruck, dass Streetview von den Kritikern als ein Livestream angesehen wird. (Falls sie denn wissen, was das ist… ;-))
am 20. August 2010 um 15:56 Uhr
“Ich habe oft den Eindruck, dass Streetview von den Kritikern als ein Livestream angesehen wird. (Falls sie denn wissen, was das ist… ;-))”
Das denke ich allerdings auch
am 20. August 2010 um 21:39 Uhr
Mir ist durchaus bewusst, dass es sich nicht um einen Live-Stream handelt und ich weiß auch, was einer ist. Und für all die, die es nicht wissen: Bei Google Street View handelt sich um ein Bild, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt geschossen wurde.
Trotzdem bin ich nicht glücklich mit all den Datensammeldiensten. Wenn schon, dann will ich schon selbst entscheiden, welche Informationen in die Öffentlichkeit gelangen.
am 21. August 2010 um 08:34 Uhr
Ich kann mich nur wundern über die Diskrepanz, dass viele Menschen (auch und immer mehr Politiker) über Facebook und Twitter alles Mögliche von sich preis geben, bei Fassaden dann aber auf die Barrikaden geben. Sie entblößen ihr (und oft das ihrer Freunde und Familie) Privatleben, aber wollen das Haus in dem sie wohnen pixeln lassen. Sagen Fotos und Informationen, die bei Facebook um die Welt gehen und für immer im Netz gespeichert sind, nicht mehr als ein Hauseingang???
am 21. August 2010 um 09:43 Uhr
Da die Politik momentan eine vernünftige Vertretung der Bürger nicht hinzubekommen scheint und da es sich letztlich um eine weitere Kommerzialisierung unseres Lebens handelt – Google und all die anderen Unternehmen verdienen damit schließlich Geld an uns allen (Google-Sprecher Stefan Keuchel sagte gegenüber der dpa, Google wolle erst einen für viele Menschen nützlichen Dienst auf die Beine stellen, bevor man anfange, damit Geld zu verdienen.) – kam mir eine andere Idee: Der Ursprung der Informationen liegt ja nicht bei all den Datensammeldiensten, sondern bei jedem einzelnen von uns.
Die Bürger bräuchten also, ähnlich wie im Fußball und anderen Bereichen, eine Vertretung, die sie in kommerziellen Angelegenheiten vertritt, die dafür sorgt, dass jeder daran mitverdienen kann. Im Fußball ist das beispielsweise der Deutsche Fußball Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL), die die Rechte am Sport und den Vereinen vermarkten.
Eine solche Institution, ich nenne sie spontan mal “Deutsche Bürgervertretung in wirtschaftlichen Belangen”, könnte all die wertvollen und zur Verfügung gestellten Informationen vermarkten (in einem Kästchen könnte dann ein Häckchen gemacht werden, dass die AGBs gelesen wurden). Aus dem Einnahmentopf würde es dann Ausschüttungen an alle Mitglieder geben (der Fußball verdient ja auch an der Vermarktung von Fernsehrechten und die Sender verdienen dann nochmals an der Ausstrahlung).
Wäre das nicht eine logische Konsequenz und ein zu Ende denken des Gedankens?
am 23. August 2010 um 11:40 Uhr
Jetzt gibt es auch Amüsantes zu Street View zu berichten: BVB-Fans wollen Schalke-Arena löschen.
am 24. August 2010 um 08:13 Uhr
Jetzt kommen die Trittbrettfahrer:
“Google Street View bekommt Konkurrenz aus der Immobilienbranche
Der umstrittene Dienst Google Street View, der von der Straße aus fotografierte Ansichten von Gebäuden darstellt, hat Konkurrenz aus der Immobilienbranche bekommen.
Das in Sinsheim ansässige Maklerunternehmen Jan Kulicke Immobilien bietet seit kurzem unter der Internetadresse
http://www.jk-immobilien.net/Strassenansicht/
ebenfalls Straßenansichten von beliebigen Adressen in ganz Deutschland an. Im Gegensatz zu Google ist hier kein Einspruch gegen die Abbildungen vorgesehen.”
Quelle: ImmobilienZeitung aktuell vom 23. August 2010
Das Thema StreetView wird ja richtig gesellschaftsfähig, bin mir sicher, dass das Thema bei den Jahresrückblicksendungen auf RTL und Konsorten sein wird.
am 24. August 2010 um 08:18 Uhr
Sehr schön die Nutzungsbedingungen:
“Ich bestätige hiermit, dass ich die Straßenansicht der von mir gesuchten Adresse nicht für kriminelle Vorhaben oder terroristische Aktivitäten nutzen werde. (Sie dürfen diese Datenbank nicht zur Planung von Einbrüchen und Terroranschlägen nutzen!)”
am 31. August 2010 um 07:55 Uhr
Heute gefunden…
StreetView gibt es in Deutschland ja im Grunde schon seit 1948 http://on.welt.de/9grwHw …
am 14. September 2010 um 10:09 Uhr
Das ZDF berichtet über eine “Panne bei Google Street View“.