Von Elke Tonscheidt – 01.06.12 – Kategorien: Bau
Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins, hat in Berlin – gemeinsam mit Frau und Kind – seinen Hausbau erlebt, belebt und überlebt. Darüber hat er ein Buch geschrieben. In “Normal hält das” (hier geht’s zur Rezension) erfährt der Leser, was alles passieren kann, wenn man seine Mietwohnung leid ist. Im folgenden Interview erfahren Sie, warum der Autor, der u.a. jahrelang Chefredakteur des Stadtmagazins zitty war, gerne mit Profis zusammenarbeitet und dass der in Immobilienkreisen gut bekannte Slogan “Lage, Lage, Lage” durchaus auch im Eheleben eine große Rolle spielt…
Herr Kalle, wie kamen Sie auf die Idee zum Buch, aus purer Verzweiflung?
Auf die Idee kamen zum Glück andere. Während des Baus fragte mich zunächst der Chefredakteur des Berliner Stadtmagazins “zitty”, ob ich nicht alle zwei Wochen eine Kolumne über meine Erfahrungen schreiben möchte. Ich mochte eigentlich nicht. Aber weil ich dem Magazin freundschaftlich verbunden bin, sagte ich zu. Die Kolumne hat dann ein Lektor des Ullstein-Verlages gelesen und dabei tatsächlich gedacht, man könne daraus ein Buch machen. Und weil so ein Hausbau ja dann doch Geld kostet, habe ich zugesagt. Es war also mehr Geldnot als Verzweiflung.
Den Dachschaden haben Sie überlebt. Ihre Erfahrung ist aber, “dass so ein Haus Kummer und Sorgen bereitet ab dem Tag, an dem man dort einzieht.” Wie kann man dem entgegen wirken?
Dem kann man nicht entgegen wirken – man muss den Kummer und die Sorgen zulassen und daran wachsen. Ich gehörte auch zu denen, die immer dachten: Wenn das Haus erstmal fertig und man eingezogen ist, ist Ruhe. Tatsächlich fängt es dann erst an. Heute weiß, ich wie lange es dauert, bis sich Wände setzen und das deshalb Malervließ unersetzlich ist. Ich weiß, dass man die Privatnummer von mindestens einem guten Handwerker haben sollte. Aber vor allem weiß ich jetzt, was es bedeutet, einen Garten zu haben.
Immobilien durchleben mehrere Zyklen und je intensiver man diese Phasen vernetzt, desto besser für das Bauprojekt. Welche Phasen haben Sie durchlebt und welche war aus welchem Grund die schwierigste?
Ich hatte sehr großes Glück mit meinem Bauträger – eine topseriöse Firma, die in Berlin schon mehrere Projekte realisiert hatte. Ich war die ganze Zeit von Menschen umgeben, die wussten, was sie taten, allen voran unser Bauleiter, der ein Könner darin war und ist, die einzelnen Phasen zu vernetzen. Wenn ich Ihnen die jetzt alle nennen würde und die schwierigste erzähle, müsste ich Ihnen allerdings das ganze Buch vorlesen.
Das (richtige) Haus am Meer, wie nah sind Sie und Ihre Frau diesem Traum? – Und wenn nah, welche nächsten Schritte planen Sie?
Wir können uns ja nicht einmal darauf einigen, an welchem Meer das Haus stehen soll. Das ist aber auch generell meine Erfahrung, Leute erzählen mir das auch – dass die Standortfrage eines Hauses die Frage ist, die eine Beziehung wirklich auf die Probe stellt. Bei allem anderen findet man irgendwann Kompromisse, aber bei der Frage „Wo steht das Haus?“, muss sich am Ende einer durchsetzen. Ich plane gerade mich durchzusetzen.
Was raten Sie einem Häuslebauer: Was sollte er von Anfang an bedenken oder unternehmen, um größere Katastrophen zu vermeiden?
Wenn er ein eher erlebnisorientierter Mensch ist, dann sollte er nichts bedenken und unternehmen und die Dinge auf sich zukommen lassen, denn Katastrophen, große wie kleine, sind es am Ende, die aus dem Hausbau ein Erlebnis machen, eine gute, tolle Geschichte, die man sich noch Jahre später erzählt. Wenn man Katastrophen nicht so mag, dann sollte man vor allem in einer glücklichen, stabilen Beziehung leben, um den Hausbau von Anfang bis Ende gemeinsam durchzustehen. Dann sollte man unbedingt eine gute Beziehung zu seiner Hausbank haben, die einem das ganze Projekt durchrechnet und die einen finanziell berät. Überhaupt sollte man darauf achten, mit Profis zusammenzuarbeiten – und diese Profis dann auch machen lassen und sich nicht in alles einmischen oder denken, man könne so ein Haus besser planen als ein Architekt. Ein sehr guter Architekt ist also wichtig. Ein sehr guter Bauleiter ist wichtig. Aber am wichtigsten ist, dass man nicht die Umzugsfirma für den Tag bucht, der einem als erster Einzugstermin genannt wird. Am besten man bucht die Umzugsfirma ungefähr für ein Jahr später.
Bildnachweis: Michael Biedowicz
am 3. Januar 2013 um 13:47 Uhr
Sehr geehrter Herr Kalle,
entschuldigen Sie bitte, dass dies jetzt nicht zu Ihrem Beitrag passt. Ich würde mich gern zu dem Thema ” Liebe ohne Ende” äußern wollen. Des weiteren ist meine Frage, ob man sich irgendwo als Schreiberin von Texten bewerben kann ohne dies studiert zu haben? Es muss doch was geben. Es heißt doch nicht nur weil ich studiert habe, dass ich dann besser schreibe kann, oder? Bitte helfen Sie mir! ich würde mich über eine Antwort von Ihnen freuen. Viele Grüsse Diana Mynarik