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Tag der Deutschen Bauindustrie

Von – 21.05.10 – Kategorien: Bau

Euphorisch war die Stimmung nicht, nein, das kann man nicht sagen. Eher skeptisch standen und saßen die Mitglieder des Hautverbands der Deutschen Bauindustrie in der Ullstein Halle und Axel-Springer-Passage gestern Nachmittag in Berlin beisammen, um sich über die jüngste Vergangenheit auszutauschen und einen Blick in die Zukunft für ihre Branche zu wagen.

Der gerade erst beendete lange und kalte Winter hat den Unternehmen des Bauhauptgewerbes schwer zu schaffen gemacht, das erste Quartal nach Schätzungen um nominal 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr absacken lassen: “Drei von vier Bauunternehmen hatten witterungsbedingte Produktionseinbußen zu verkraften”, sagt der Vorsitzende des Verbands Herbert Bodner, “das war der höchste Produktionsausfall seit 1991.”

Doch trotz dieses unglücklichen Starts, ist auch ein verhaltener Optimismus zu spüren. Denn die Baunachfrage stieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres wieder an, nachdem ein Rückgang schon im vierten Quartal 2009 zum stoppen kam. Doch Bodner warnt, daraus Schlüsse für eine Trendwende zu ziehen: “Die Risiken für eine allgemeine wirtschaftliche Belebung bestehen fort, speziell für die Bauwirtschaft sind neue hinzugekommen.” Er spricht die Engpässe in der Kreditversorgung, gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, an, das Bauforderungssicherungsgesetz (BauFordSiG) – Peter Raumsauer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, versprach später, dieses zu überarbeiten -, die Explosion und Unkalkulierbarkeit der Rohstoffpreise, die Probleme beim Wirtschaftsbau und den Fachkräftemangel.

Gerade was den Wirtschaftsbau betrifft, hatte dieser unter starken Rückgängen zu leiden. Zwar gab es zu Jahresbeginn ein Auftragsplus von vier Prozent, doch das Volumen der Baugenehmigungen ist im Januar und Februar in diesem Zweig noch einmal um knapp 36 Prozent zurückgegangen, bei Büro und Werkstattgebäuden um 27 Prozent, bei Fabrik- und Werkstattgebäuden um 26 Prozent und bei Handels- und Lagergebäuden sogar um 35 Prozent. Dieser Abwärtstrend wird sich nach Prognosen nicht in diesem Maße fortsetzen, doch wird für 2010 ein Umsatzrückgang von 7,5 Prozent vorhergesagt.

Gut durch die Krise ist hingegen der Wohnungsbau gekommen. 2009 ist die Zahl der fertig gestellten Wohnungen zwar zurückgegangen, dafür ist aber erstmals seit 2006 die Zahl der neu genehmigten Wohnungen wieder gestiegen (plus 3,9 Prozent). Treiber dieser Entwicklung ist der Geschosswohnungsbau. Für 2010 wird ein Fertigstellungsergebnis von 3,4 Prozent erwartet. Gut gelaufen sind auch die Baumaßnahmen im Bestand. Das Co2-Gebäudesanierungsprogramm ist hier die stimulierende Kraft gewesen. Insgesamt erwartet der Verband einen Zuwachs der Wohnungsbauumsätze von nominal einem Prozent für 2010.

Große Hoffnung wird in den Öffentlichen Bau gelegt – in die vom Bund initiierten Konjunkturprogramme. Da von den zur Verfügung gestellten Mitteln 2009 nur 2,7 Milliarden Euro abgeflossen sind, stehen für 2010 und 2011 noch zwölf Milliarden zur Verfügung. Doch die finanzielle Situation vieler Kommunen und Städte sowie die geplante Streichung des Zusätzlichkeitskriteriums aus dem Zukunftsinvestitionsgesetz könnten zu einem Überdenken von Investitionsplänen bei den öffentlichen Auftraggebern auf kommunaler Ebene führen – Prognose deshalb: plus 4,5 Prozent.

Für 2011 erwartet der Verband einen Rückgang im Bauhauptgewerbe um zwei Prozent. Der Öffentliche Bau wird wieder absacken, der Abwärtstrend sich im Wirtschaftsbau verlangsamen und der Wohnungsbau seinen Erholungsprozess fortsetzen.

Bei all diesen Zahlen hat sich die Beschäftigungslage am Bauarbeitsmarkt gehalten, bei etwa 700.000 Mitarbeitern. Allerdings wird es in den nächsten Jahren zu einem erheblichen Fachkräftemangel kommen. Im gewerblichen Bereich werden jährlich etwa 18.000 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Dem stehen bisher nur 11.000 Lehrlinge entgegen. 2009 haben nur etwa 3000 Bauingenieure die Hochschulen verlassen, doch der Bedarf lag bei 4500.

Bodner fordert vor diesem Hintergrund, bereits an Schulen die Begeisterung für das Thema Technik zu wecken. Mehr Schüler müssten für ein Ingenieurstudium begeistert, die Abbrecherquoten reduziert werden. Er appelierte an die Unternehmen, gezielte Personelentwicklung zu betreiben, bei Aus- und Weiterbildung nicht nachzulassen. Die Einführung des Bachelors im Ingenieurstudium ist sowohl nach Bodners als auch nach Ramsauers Sicht eine Fehlentwicklung gewesen, die bei Studierenden vor allem Unsicherheit hinterlasse und die Studierenden nicht ausreichend auf zukünftige Aufgaben vorbereite.

Refernt Franz Klinger, Partner Real Estate bei Deloitte, nannte als Grund für die zögerliche Aufnahme eines Bauingenieurstudiums zudem die seit Jahren zurückgehenden Zahlen in der Bauwirtschaft: “Eine ganze Generation von Führungskräften kennt inzwischen nur den Abschwung.” Vor diesem Hintergrund sei es enorm schwierig, dem Beruf Attraktivität einzuhauchen.

Neben dem Bauen im Bestand mitsamt dem Umbau auf klimafreundliche Energieversorgung und ÖPP-Projekten nannte Klinger noch einen weiteren möglichen Wachstumsfaktor: Compliance. Die Einführung könnte zum Aufbau und Schutz von Reputation beitragen, Wettbewerbsvorteile durch Integrität und Verlässlichkeit erzeugen und vor Haftungsschäden schützen.

Bodner sprach zudem – und damit kommen wir, wenn auch kurz, zum eigentlichen Thema dieses Blogs – den Lebenszyklus von Bauwerken an: “Für Qualität ist der Lebenszyklusgedanke von Bedeutung.” Er rief die etwa 800 Zuhörer auf, frühzeitig alle an einem Projekt Beteiligten in die Planungen einzubeziehen, die Zusammenarbeit zu vertiefen, das Verhältnis von Haupt- zu Nachunternehmern zu verbessern und nicht zu vergessen, dass der Mensch im Mittelpunkt des Qualitätsprozesses steht.

Bildnachweis: Slawomir Podskrob/pixelio.de


Kommentare

optimismus » Twitter Trends

am 25. Mai 2010 um 03:55 Uhr

Verhaltener Optimismus beim Tag der #Bauindustrie:…


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