Von Christoph Berger – 04.10.10 – Kategorien: Events
Um 14 geht es los. Wir berichten live von der Expo, vom Stand 110 in Halle A1. Thema des dortigen Talks wird sein: “Nach der Krise: Wo und warum machen Investitionen weltweit wieder Sinn?”
Es diskutierten:
Österreich kam glimpflich durch die Krise, galt jedoch im Vorfeld auch nicht als besonders sexy. “Der Markt ist schnell wieder angesprungen”, sagte Magister Fritz Kittel. Im Alpenland ist es deswegen nicht verwunderlich, dass Investitionen schon wieder stark zunehmen – gerade in Wien. Der Wohnungsbau hält sich dort seit Jahren konstant, pro Jahr kommen etwa 7.000 neue Wohnungen hinzu. Das Großprojekt Wien 22, Technologiezentrum aspern Seestadt ist ein weiteres Beispiel für das gute Investitionsklima. Dort wird ein ganzer Stadtteil unter Nachhaltigkeitskriterien für den Einklang von Leben und Arbeit geplant und gebaut.

von links: Magister Fritz Kittel, John Bańka, Prof. Josef Homola, Dr. Ralf Händl, Philip von Ditfurth
Als eines von wenigen Ländern ist Polen während der Krise gewachsen. Auch wenn sich momentan keine größeren Immobilienprojekte in der Pipeline befinden, so bezeichnet John Bańka Warschau doch als “Frankfurt Junior” – mit einem Augenzwinkern. Das Wachstum hält auch nach der Krise stetig an, die gute gesamtwirtschaftliche Situation beflügelt den Immobilienmarkt. Investoren haben laut Bańka vorrangig Immobilien mit geringem Risiko im Blick, qualitativ hochwertige, in bester Lage – gewünscht sind Objekte in der Innenstadt von Warschau.
Für Josef Homola war 2008 das schwierigste Jahr in seinem bisherigen Berufsleben. Er hat beobachtet, dass es wenig Ideen gab, dieser zu entrinnen. Also stürzte man sich auf den Öffentlichen Sektor, versuchte mit alten Instrumenten, den Problemen zu begegnen. Für Immobilienconsultants wäre die Krise jedoch ein Segen gewesen.
Homola stellte außerdem die Wichtigkeit heraus, in lokalen Märkten vor Ort als Unternehmen präsent zu sein. Der Leitsatz “Every business is a local business” hat seiner Meinung nach uneingeschränkte Gültigkeit – das Know-how kann international sein, doch die Präsenz vor Ort ist entscheidend.
Beim Blick in die Zukunft empfiehlt Homola gedanklich wieder einige Schritte zurückzugehen. Die Frage muss gestellt werden: “Was sollen wir überhaupt bauen?” Und es sei die Frage nach dem Bestand zu stellen. Die wird uns nach seiner Auffassung noch regelrechtes Kopfzerbrechen bereiten. – Vielleicht gibt es ja eines Tages die Abwrackprämie für Immobilien?
Dubai ist wohl eines der Länder, das am ärgsten von der Krise getroffen wurde, es steckte kaum Eigenkapital in den Projekten, viele von ihnen kamen zum erliegen. Dieser Zustand ist bis heute zu spüren. Ralf Händl konnte beobachten, dass es Investoren zunehmend nach Abu Dhabi zieht – oder nach Ägypten. So werden es in Zukunft nicht mehr einzelne Spots sein, auf die sich die Aufmerksamkeit richtet, sondern vielmehr die Region Nordafrika mitsamt der Arabischen Halbinsel. Den früher vorrangigen Merkmalen Quantität und Schnellligkeit folgen nun die Themen Engineering, Nachhaltigkeit und Green Buildings. Momentan freut sich aber jeder erst einmal, wenn Projekte erfolgreich laufen – gerade die Banken.
“Asien wird der Boommarkt überhaupt”, da ist sich Händl sicher. Die zunehmenden Bevölkerungszahlen mit der einhergehenden Urbanisierung sind Mitantreiber dieser Entwicklung. Aufgrund der doch starken rechtlichen und kulturellen Unterschiede empfiehlt Händl den dortigen Markt jedoch nur Profis – die Bedingungen seien sehr herausfordernd und ohne Partner vor Ort nicht zu bewältigen.
Alle Talkteilnehmer sind sich einig, dass der Anspruch an das Informationsmanagement in Immobilienprojekten wächst. Beim Abschließen von Deals wird Transparenz zu einem Erfolgskriterium – Kunden, Investoren und Eigentümer verlangen sie. Durch die zunehmende Fokussierung auf die Betriebskosten, kommt man an darstellender Software nicht mehr vorbei. Ob und wie das Thema Transparenz in Asien allerdings durchsetzbar sein wird, muss sich erst noch zeigen.