Von Christoph Berger – 14.07.11 – Kategorien: Facility Management
Für deutsche Facility-Management-Unternehmen (FM) ist die Open-Book-Kalkulation bis zum Ende des Jahrzehnts kein Ausnahmefall mehr. Vielmehr sehen FM-Anbieter die Kostenoffenlegung unter anderem als Risikominimierung in einer künftig vom Kunden verstärkt geforderten gelebten Partnerschaft an.Daraus lassen sich Handlungsoptionen ableiten: Beispielsweise kann die Erhebung von Open Book Accounting zum Standard nicht nur Transparenz und Vertrauen fördern, sondern gleichzeitig Optimierungspotenziale für beide Seiten generieren.
Dies sind Ergebnisauszüge der Lünendonk-Studie 2011 “Zukunft der Facility-Management-Dienstleistungen in Deutschland 2020″, die das Marktforschungsunternehmen in Kooperation mit der FutureManagementGroup AG auflegte.
Schon länger nennen Anwenderunternehmen eine transparente Preis- und Kostenkalkulation als wichtiges Kriterium für die Auswahl eines FM-Dienstleisters. Nach Ansicht der befragten Marktteilnehmer und Experten wird die Open-Book-Kalkulation im Jahr 2020 sogar Standard sein (mittlere Wahrscheinlichkeit mit 5,5 auf einer Bewertungsskala von 1 bis 9, wobei 1 unwahrscheinlich und 9 sehr wahrscheinlich bedeutet).
Ein von den Studienteilnehmern geäußertes Argument für die erwartete Entwicklung ist unter anderem, dass die Nutzer diese Art der Kalkulation fordern, um die Umsetzungsmöglichkeit prüfen zu können. Aber auch das Interesse der Kunden an einer dauerhaften Partnerschaft und damit am wirtschaftlichen Erfolg des Dienstleisters ist ein weiteres Argument pro Open Book.
Ebenso gelten im Zuge der Nachhaltigkeit die Einhaltung der Tariflöhne und eine adäquate Vergütung der Mitarbeiter des Dienstleisters als Begründung für die angenommene Wahrscheinlichkeit, dass diese Zukunftsprojektion eintritt.
In einer langfristigen Partnerschaft seien Transparenz und beiderseitige Vorteilhaftigkeit eine zwingende Voraussetzung; dagegen zähle in einer kurzfristig angelegten Projektumgebung der Preis, sagt Antonia Thieg, Beraterin bei Lünendonk. Das unterstreicht auch das Gegenargument, dass bei Regelleistungen meist keine Open-Book-Kalkulation gefordert wird.
Chancen individuell nutzen
Aus der Analyse lassen sich Chancen im Sinne von Handlungsoptionen für die FM-Anbieter ableiten, bestehende Geschäftsfelder lassen sich stärken beziehungsweise können neue erschlossen werden. Neben Faktoren wie dem weiteren Ausbau von Consulting-Know-how, innovativen Kundenbindungsmaßnahmen zur Steigerung der Kundenloyalität oder auch dem Einsatz Computer-Aided-Facility-Management-Systemen (CAFM) für effizientere Austauschprozesse ist Open Book Teil der Handlungsoption “Verbesserte Kommunikation zum Kunden”.
Indem sie Open Book Accounting zum Standard erheben, könnten FM-Dienstleister für mehr Transparenz bei Verträgen, Abwicklungsmodalitäten und der Leistungserbringung sorgen. Dies erzeugt nicht nur das notwendige Vertrauen beim Auftraggeber, sondern von der Kostenoffenlegung können sowohl Auftraggeber als auch Dienstleister beiderseits profitieren. Denn Optimierungspotenziale bestehen auf beiden Seiten, lautet ein Fazit der Studie über die gestaltbare Zukunft der Facility-Management-Anbieter.