Von Christoph Berger – 25.03.11 – Kategorien: Immobilien
“Mehr als jedes zehnte Wohnhaus in Deutschland ist nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren. Ein Abriss und der anschließende Neubau kommen häufig günstiger als Umbau und Vollmodernisierung.” Dies ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie, die die Kampagne “Impulse für den Wohnungsbau” diese Woche vorgestellt hat und die von der Kieler Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen durchgeführt wurde.
Demnach ist gerade mal jede sechste Wohnung, die bis zum Ende der 70er Jahr gebaut wurde, in der Zwischenzeit weitgehend energetisch saniert worden. Vier Prozent der alten Wohngebäude seien in punkto Energiesparen noch überhaupt nicht modernisiert. In den meisten Beständen seien jedoch wichtige Teilsanierungen vorgenommen worden. Noch gravierender sieht es nach Ansicht der Initiatoren mit Gebäuden aus, die aus den 50er Jahren stammen. Bei denen sei die Sanierung oft teurer als ein Abriss mit anschließendem Neubau.
40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs geht zu Lasten von Immobilien. Deshalb hat die Kampagne recht mit ihrer Einschätzung, dass in diesem Bereich noch viel Einsparpotenzial liegt und die Fördergelder erhöht und verstetigt werden müssen. Doch was passiert stattdessen: Die Fördergelder zur energetischen Sanierung werden seit Jahren zurückgefahren, stehen seit Neuestem sogar ganz auf der Kippe. Ein falsches Signal. Denn wie sollen ohne Anreizsysteme die gesteckten Klimaziele von Deutschland und Europa erreicht werden? Wie sollen Hausherren überzeugt werden, viel Geld in die Sanierung ihres Gebäudebesitz zu stecken, von dem sie selbst vielleicht nicht mal mehr etwas haben?
Sinnvoll ist es sicherlich auch, wie von den Initiatoren gefordert, darüber nachzudenken, den Ersatzneubau in die Förderprogramme aufzunehmen.
Wie man bei diesen Zahlen allerdings behaupten kann, die Wohnungsbestände seien besser als ihr Ruf, ist schleierhaft. Denn: Von den 36,2 Millionen untersuchten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie in kleineren Mehrfamilienhäusern wurden demnach nur knapp über 6,03 Millionen energetisch saniert, in fast 1,5 Millionen ist überhaupt noch nichts passiert. Und dazwischen der Rest, demnach über 28,6 Millionen Wohnungen in denen irgendetwas gemacht wurde – in den meisten Fällen wohl sicherlich etwas an der Fassade, an den Fenstern oder der Heizung.
Demnach liegt in diesem Segment ein riesiges Potenzial, eine Menge an zu leistender Überzeugungsarbeit, eine Menge an Investitionen und: wohl auch eine ganze Reihe von Aufträgen für die Mitgliedsunternehmen der Verbände, die hinter der Studie stehen.
Der zusätzliche Schwenk der Kampagne auf den Bau altersgerechter Wohnungen – bis 2025 benötige man in Deutschland demnach zwei Millionen zusätzliche barrierefreie Wohnungen – und darauf, dass man deutlich mehr günstigeren Wohnraum in guter Qualität benötige, kann daher nur als politisches Kalkül verstanden werden, um in Zeiten des Wahlkampfs einen weiteren Druckpunkt zu finden, um noch mehr und weitere Gelder zu verlangen.
Natürlich muss man vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch an der Gestaltung der Wohnungen und Häuser arbeiten, allerdings ist dies wieder eine ganze andere Baustelle unserer Gesellschaft, die losgelöst von der Energieeffizienz unserer Gebäude diskutiert werden sollte.
Bildnachweis: Daniel Rennen/pixelio.de
am 1. Juni 2011 um 10:35 Uhr
Ich sehe das Problem auch vielfach bei den Eigentümern der Häuser. Gerade viele private Besitzer pressen aus ihren Immobilien erst einmal viel raus und stoßen sie dann irgendwann ab, so landen sie bei üblen verwertern, die im Grunde nur das nötigste an den Häusern tun und damit noch den kleinsten Teil verdienen wollen. Aus Städte planerischer Sicht natürlich ein echter Albtraum.
am 17. September 2011 um 10:30 Uhr
Ich kann meinem Namensvetter nur zustimmen. Die Vermieter invenstieren zu wenig, wollen Ihre Mieter melken und denken, nach 20 Jahren könnten sie ihre Immobilie für teuer Geld an den Mann bringen.