Von Christoph Berger – 17.11.11 – Kategorien: Immobilien
Die Zauberformel für Energieeinsparungen in Krankenhäusern lautet: „Blue Hospital“. Gemeint ist die Kombination von Qualität, Ökonomie und Effizienz in allen Bereichen des Krankenhauses mit dem Ziel der langfristigen Wirksamkeit. Damit könnten bisher ungenutzte Einsparpotenziale ausgeschöpft werden, deutliche Effizienz- und Qualitätssteigerungen erzielt und damit der Medizintechnikstandort Deutschland gestärkt werden.
In Zahlen ausgedrückt: Es handelt sich um bundesweit jährlich ca. 600 Millionen Euro für Energiekosten und 6 Millionen Tonnen CO2, die eingespart werden könnten. Das Spektrum der Technologien und Maßnahmen reiche dabei von klassischen Energiesparkonzepten über die Emissionsminderung bis hin zu integrierten Lösungen für den umfassenden nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Ressourcen.
Das zeigt das neue VDE-Positionspapier “Blue Hospital”, das von einer interdisziplinär besetzten Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE erarbeitet wurde.
Die Gruppe geht davon aus, dass sich durch das Zusammenspiel von moderner Gebäudeautomation, effizienten klinischen Pfaden und intelligenter Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, Medizintechnik sowie Informations- und Kommunikationtechnik nicht nur Energieeinsparungen von bis zu 40 Prozent erzielen lassen, sondern auch deutlich mehr Patientenkomfort und damit Wettbewerbsvorteile.
Um die Chance “Blue Hospital” jedoch zu nutzen, müssten vor allem drei Aufgaben angegangen werden:
In allen drei Bereichen sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrn, Nutzern, Architekten bzw. Betriebsorganisationsplanern und dem Personal erforderlich, um – wie von der VDE-Expertengruppe geplant – Werte für künftige Standards und Zertifikate zu erarbeiten und signifikante Verbesserungen zu erreichen.
Im Hinblick auf den Workflow sind die Netzwerke im Krankenhaus ein wichtiger Ansatzpunkt. Eine intelligente Planung, die Optimierung der Kapazitätsauslastung, die Umsetzung intermodaler (sektorübergreifender) Workflow-Konzepte und ähnliche Maßnahmen tragen entscheidend dazu bei, CO2-Emissionen zu reduzieren.
Auch im Gesamtsystem von Gebäude- Leittechnik, Medizinprodukten sowie Informations- und kommunikationstechnischen Systemen können CO2-Emissionen eingespart werden. Dazu gehört die nachhaltige Erneuerung und Modernisierung der Gesamtsysteme, der Einsatz alternativer Technologien und Energieerzeuger sowie die Sensibilisierung der Mitarbeiter und Patienten für umweltschonendes Verhalten.
Und schließlich ermöglichen es intelligente ganzheitliche Workflows, Beleuchtungs-, Heiz- und Kühlkonzepte, die Energieeffizienz bestehender Gebäude zu steigern, auch mit erneuerbaren Energien und mit einer möglichst weitgehenden Anwendung von Passivhaus- Kriterien.
Der Paradigmenwechsel zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen bedeute für alle Beteiligten eine große Chance, so der VDE. Unternehmen der Medizintechnikbranche könnten durch die Entwicklung effizienter Medizinprodukte, strukturierte Investitionen und neue Geschäftsmöglichkeiten (Consulting) ihre Marktchancen erhöhen und einen wichtigen Beitrag zur deutschen Innovationsführerschaft im Zukunftsmarkt „Blue Hospital“ leisten.
Auch Architekten, Krankenhausplaner, Leistungserbringer und Kostenträger böte das Zukunftsthema wichtige Vorteile – von der Geschäftsfelderweiterung, Wettbewerbsdifferenzierung und Marktpositionierung über Energie- und Kosteneinsparungen bis hin zu Effizienz-, Qualitäts- und Imagesteigerungen.
Allerdings sei “Blue Hospital” kein Selbstläufer. Um den Paradigmenwechsel zu beschleunigen und die Chancen für das Gesundheitswesen und den Wirtschaftsstandort zu nutzen, sind aus Sicht der VDE-Experten alle Beteiligte (Architekten, Planer, Hersteller, Politik, Ärzte, Patienten, Krankenhausbetreiber und Mitarbeiter) gemeinsam gefordert. Die VDE- Empfehlungen umfassen dabei insbesondere wichtige Impulse für die Implementierung des “Blue Hospitals” um nachhaltig die Vorreiterrolle Deutschland für technologische Anwendungen im Gesundheitswesen zu sichern.
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