Von Eric Sturm – 15.06.10 – Kategorien: IT
Auch in der Immobilienwirtschaft hält die internet-basierte Kommunikation mehr und mehr Einzug, sowohl im “B2B”-Bereich, als auch beim Geschäft mit Privatkunden (B2C). Neben der brancheninternen Vernetzung, die vor allem in Sozialen Netzwerken stattfindet, verändert sich auch die Art, wie Immobilien präsentiert und vermarktet werden. Dieser Wandel geht vor allem von der Nachfrage-Seite aus, weniger von den Anbietern. Doch Unternehmer, die sich den neuen Gegebenheiten stellen und mit intelligenten Angeboten auf diese Anforderungen reagieren, können von den Veränderungen nur profitieren.
Andere Zeitachse, neue Kanäle
“Social Media ist mittlerweile ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens und Arbeitens und kann Unternehmen klare Wettbewerbsvorteile verschaffen”, wird Cisco-Manager Michael Ganser in einem Beitrag auf silicon.de zitiert. Die Vorteile der zunehmenden Vernetzung von Internetnutzern sieht der IT-Spezialist zum Beispiel beim Abbau von Kommunikationshürden mit Kunden oder Partnern, durch den Aufbau neuer Informationskanäle oder durch eine neue Form des Wissensmanagements.
Die klassischen Werbe-, Kommunikations- und Nachfragekanäle in der Immobilienwirtschaft – also Anzeigen, Werbetafeln, Telefon, (gedruckter) Prospekt sowie Besichtigungstermine – verlieren zugunsten der “neuen Medien” an Bedeutung, so das Ergebnis der jährlich durchgeführten “Immostudien” des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der LMU München.
Kontakte zur Zielgruppe entstehen immer häufiger über Kommunikation in “Sozialen Netzwerken” wie Facebook, XING, LinkedIn oder dem Branchenportal kon-ii.de. Auch Informationen zu Immobilien werden nicht mehr nur per Zeitungsinserat, sondern häufiger über Unternehmens-Websites sowie Soziale Netzwerke verbreitet, z. B. via Twitter-Kanal oder die eigene Facebook-Seite. Detaillierte Objekt-Informationen schließlich findet der Interessent auf Immobilien-Portalen im Netz.

Oben: Überblick der Häuserpreise auf dem US-Immobilienportal Zillow.com
Die Onliner von heute durchkämmen das vorhandene Angebot im Netz zunächst eigenständig. Sie scannen das Angebot und gleichen interessante Objekte mit den eigenen Wünschen und dem zur Verfügung stehenden Budget ab. Objekte, die in die “engere Wahl” kommen, werden mit Hilfe von Fotos, Grundrissen, Satellitenbildern und sonstigen online verfügbaren Informationen (Kostenvergleiche, Mietspiegel, Infrastruktur der Umgebung, Meinungen aus Online-Communities, Sozialen Netzwerken …) überprüft und verglichen.
Die Interessenten treten daher später, dafür aber wesentlich besser informiert mit dem Anbieter in Kontakt.
Was bedeuten diese Entwicklungen für Immobilienunternehmen hierzulande?
Mehr und mehr Kauf- oder Mietinteressenten erwarten heutzutage, dass sämtliche Informationen über eine Immobilie im Internet abrufbar sind. Dabei geht es weniger um schicke, blinkende Flashanimationen (also quasi der digitalisierte Hochglanzprospekt), sondern vielmehr um handfeste, vergleichbare “Hard Facts”: Fotos, Grundrisse, Eckdaten. Und bitteschön präzise und nutzerfreundlich aufbereitet.
Fazit: Unternehmen, die sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen einstellen, in dem sie
a) sich in den für sie geeigneten Sozialen Netzwerken präsentieren,
b) mit ihrer Zielgruppe in einen Dialog “auf Augenhöhe” eintreten und
c) vor allem: ihre eigenen Online-Angebote aussagekräftig, transparent und gehaltvoll präsentieren,
werden von der neuen Nachfragesituation profitieren können.
Firmen, die “Business as usual” betreiben, werden diesen Trend verschlafen und an Bedeutung (= Umsatz) verlieren. Schon Ende 2009 schrieben Karsten Zunke und Hans-Jörg Werth auf immobilienwirtschaft.de: “Kaum eine andere Branche hat das Internet so belächelt wie die Immobilienbranche. Das sagen die Unternehmen selbst. Mittlerweile ist ihre spöttische Skepsis jedoch längst einer tiefen Überzeugung gewichen: wer nicht virtuell Flagge zeigt, verliert real an Boden.” Dem ist nichts hinzuzufügen.
Zu Teil 2 dieses Beitrags – “Konkrete Beispiele für digitales Netzwerken und die neuen Formen der Immobilienpräsentation online“
Bildnachweis: Die ‘Wortwolke’ wurde auf wordle.net erstellt.
am 17. Juni 2010 um 13:30 Uhr
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