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Premiere in Deutschland: Bundesgebäude wird in ÖPP gebaut und betrieben

Von – 10.08.11 – Kategorien: Bau,Facility Management,Lebenszyklus

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat den Zuschlag für die Errichtung des neuen Berliner Dienstsitzes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erteilt. Den Auftrag erhält ein Konsortium bestehend aus den Firmen BAM und Amber Infrastructure. Mit diesem Vorhaben wird erstmalig in Deutschland ein ziviles Bundesgebäude in Öffentlich-Privater Partnerschaft (ÖPP) gebaut und betrieben.

Der Ministeriumsneubau mit einer Bruttogeschossfläche von rund 54.000 Quadratmetern wird an prominenter Stelle am Kapelle-Ufer in Berlin-Mitte auf einem Grundstück östlich des Berliner Hauptbahnhofes, unmittelbar am Spreebogen und gegenüber von Bundeskanzleramt und Reichstag, errichtet. Die gegenwärtig auf drei Standorte verteilten Berliner Beschäftigten des BMBF erhalten damit erstmals und dauerhaft eine gemeinsame Unterbringung. Gleichzeitig bietet der Neubau adäquate Erweiterungsmöglichkeiten. Vom Ministerium nicht benötigte Flächen werden durch die BImA anderweitig vermietet.

Die Bauherrn sind sich sicher: In dem gewählten ÖPP-Verfahren ist es gelungen, ein der prominenten Lage des Grundstücks angemessenes, energetisch zukunftsweisendes Gebäude von hoher architektonischer Qualität zu beauftragen.

Dazu habe die Einbindung eines mit namhaften Experten besetzten baufachlichen Gremiums im Vergabeverfahren maßgeblich beigetragen. Bei der Wertung wurde mit einem Bewertungsanteil von 60 % der Schwerpunkt auf die Qualität gelegt. Die im Rahmen der Bieterverhandlungen erfolgte Optimierungsphase habe insbesondere dazu beigetragen, dass die Anforderungen des Nutzers beispielhaft berücksichtigt werden konnten. Der Gedanke der Partnerschaft habe sich bereits in dieser frühen Phase bewährt.

Der Ministeriumsneubau erfüllt die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Innovation. Das Erreichen der höchsten Auszeichnungsstufe „Gold“ nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) wurde vertraglich vereinbart.

Vertragsunterzeichnung am 1. August 2011 im Gartenhaus der ehemaligen Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland- aktuell Dienstsitz des BMBF in Berlin

Die Energieversorgung des Gebäudes erfolgt durch eine intelligente Vernetzung der einzelnen Anlagenkomponenten (Smart Grid) unter Einsatz u.a. einer gasbetriebenen Brennstoffzelle und eines Blockheizkraftwerkes zur Strom-, Kälte und Wärmeerzeugung sowie durch Photovoltaik-Technik auf den Dächern und an der Fassade.

Dadurch erfolgt eine weitgehende schadstoffemissionsreduzierte Eigenenergieerzeugung. Zudem wird ein innovatives System im Gebäude zur mechanischen Be- und Entlüftung, Heizung und Kühlung eingesetzt. Sämtliche Bürobereiche werden mit LED-Beleuchtung ausgestattet.

Der Vorteil des ÖPP-Verfahrens: Das Angebot der ausgewählten Bietergemeinschaft gegenüber einer Kostenschätzung für eine konventionelle  Eigenrealisierung bei gleicher Qualität ist um über 9 Prozent günstiger. Dies entspricht Einsparungen für die öffentliche Hand mit einem Barwert in Höhe von über 28 Mio. Euro über den Vertragszeitraum von 30 Jahren.

Die ebenfalls mit einem ÖPP-Ansatz einhergehende Verlagerung von Risiken auf den privaten Partner, die durch eine Projektfinanzierung gesichert ist, trägt zur langfristigen Kostensicherheit bei. So liegen die Baukostenrisiken einschließlich der Bauunterhaltung fast ausschließlich beim privaten Partner, ebenso die Mengenrisiken für die Energieverbräuche. Darüber hinaus ist die Leistungserbringung durch ein Maluskonzept gesichert: Das Nutzungsentgelt wird nur vollständig gezahlt, wenn die betriebliche Leistung mindestens den vertraglichen Anforderungen entspricht.

Im Rahmen der Umsetzung als ÖPP-Projekt werden Planung, Errichtung, Gebäudebetrieb (gebäudenahe Dienstleistungen), Instandhaltung und Finanzierung des Neubaus auf den privaten Partner übertragen. Dieser ist über die gesamte Vertragslaufzeit für den reibungslosen Betrieb, die Unterhaltung und Instandhaltung des gesamten Gebäudes verantwortlich. Die hierfür erforderliche ganzheitliche und lebenszyklusumfassende Planung aller baulichen und anschließenden betrieblichen Aspekte führt zu den ermittelten  Effizienzvorteilen.

Nach der nunmehr erfolgten Zuschlagserteilung ist das Ministeriumsgebäude innerhalb von drei Jahren zu errichten. Der Beginn der Bauarbeiten ist für Anfang des Jahres 2012 vertraglich vereinbart. Im Herbst 2014 werden die Beschäftigten des BMBF ihren neuen Dienstsitz beziehen können. Der private Partner hat das Gebäude der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur Verfügung zu stellen und die vereinbarten Betriebsleistungen zu erbringen. Im Anschluss an den Betriebszeitraum wird das Gebäude mit einer im Vertrag fixierten gleichfalls hohen Qualität an den Eigentümer (BImA) übergeben.

Eigentümer des Grundstücks und des Gebäudes ist und bleibt während der gesamten Vertragslaufzeit die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Es erfolgt kein Verkauf von Bundeseigentum oder eine Privatisierung. Der private Partner hat gleichfalls keinen Einfluss auf die inhaltliche Nutzung des Gebäudes.

Bildnachweis: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben


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