Von Christoph Berger – 09.08.10 – Kategorien: Nachhaltigkeit
Dr.-Ing. Norbert Preuß ist Geschäftsführer der Preuss Projektmanagement GmbH in München. Das Unternehmen unterstützt Investoren in der Erreichung Ihrer Projektziele und stellt dabei die Optimierung des Mitteleinsatzes aller Projektbeteiligten einschließlich der späteren Nutzer von Bauprojekten in den Mittelpunkt seiner Arbeit, immer unter Wahrung der Interessenlage des Investors.
Herr Dr. Preuß, welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihren Projekten und bei Ihren Kunden?
Wir begleiten Investoren in der Steuerung von Projekten jeglicher Größenordnung. Momentan überlegen alle Investoren, wie sie sich zu dem Thema positionieren, so dass unsere Dienstleistung im Hinblick auf die Nachhaltigkeit zunehmend stärker beeinflusst wird.
Ist das Thema damit mehr als ein Marketinginstrument?
Ja. Ich bewege mich in dem Thema schon über 30 Jahre und habe bereits vor knapp 15 Jahren, beispielsweise Projekte der Allianz mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro Investitionssumme, geleitet, und auch damals hatte man schon nachhaltige Kriterien, die heute in dem DGNB-Regelwerk nachzulesen sind, im Grundsatz auch früher schon so behandelt. Gut ist, dass durch das DGNB-Regelwerk die Kriterien nun systematisch Eingang finden. Insofern ist das kein Marketingeffekt, sondern das ist eine Bewegung.
Was ist Ihnen dabei lieber: das Zertifikat oder Gesetze, die nachhaltiges Bauen vorschreiben?
Ich halte es für problematisch, Nachhaltigkeit gesetzlich zu regeln. Denn die Regeln, die von der DGNB aufgebaut wurden, sollten mit Blick auf die Praxisanwendung noch im Einzelnen etwas überdacht werden, weil die Kostenauswirkung schon erheblich sein kann – je nachdem wie man das dann auch umsetzt. Es wäre aber auch die Frage zu stellen, wie man das gesetzlich verankert. Ich denke, dass der Markt den Anreiz für nachhaltiges Bauen wirksam bestimmen wird.
Was gehört für Sie zur Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit ist nach dem DGNB-Regelwerk eindeutig definiert. Aber Nachhaltigkeit geht in der öffentlichen Diskussion schon weiter: nachhaltiger Erfolg, nachhaltiger Umgang mit der Natur. Ich denke, Nachhaltigkeit wird in alle Lebensbereiche Einzug halten.
Vielleicht schon ein wenig inflationär?
Partiell schon.
Rechnet sich Nachhaltigkeit?
Früher waren die Nachhaltigkeitsthemen ausschließlich auf deren Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Ich habe schon früher Handlungskataloge mit ökonomischen und ökologischen Handlungszielen definiert und dann sind häufig die ökologisch orientierten Punkte an der fehlenden Wirtschaftlichkeit gescheitert. Es ist ja so und das wird sich auch nicht ändern: Investoren sind häufig renditegetrieben, weil sie Vorgaben vom Markt oder von ihren Gremien bekommen. Insofern wird das Nachhaltigkeitsthema immer im Spannungsfeld der Wirtschaftlichkeit bleiben.
Wie sehen Sie die hohen Anfangsinvestitionen für Investoren. Gibt es da Konzepte und Ideen, wie man diese Kosten auf Mieter oder Nutzer umlegen kann?
Es gibt Investoren, die sagen, dass sich Nachhaltigkeit rechnet. Ein mittelständischer Betreiber eines Einkaufzentrums betreibt zum Beispiel eine Immobilie mit der Zertifizierung Gold. Der ist davon überzeugt, dass sich das rechnet, weil die Nebenkosten, also die laufenden Kosten, durch die ökologisch orientierten Aspekte reduziert worden sind. Langfristig werden sich die Ausgaben also amortisieren.
Unterschiedliche Investitionszyklen, uneinheitliche Bauvorschriften und ungewisse Profitabilität von energieeffizienten Technologien: Was antworten Sie Skeptikern darauf?
Die momentane Diskussion, auch die ganze Energiedebatte, zeigt, dass wir gezwungen sind, umzudenken. Insofern glaube ich, dass sich das Thema deswegen so dynamisch weiterentwickeln wird, weil jetzt die Mehrheit der Menschen darüber nachdenkt. Es ist keine Debatte mehr in irgendwelchen Zirkeln, sondern es wird zunehmend eine richtige Bewegung, die bei jedem einzelnen ankommt, bei demjenigen, der in seiner Wohnung ständig das Licht brennen lässt genauso wie bei denen, die beim Heizen das Fenster auflassen. Ebenso wird das Thema weiter zunehmend in der gesamten Immobilienwirtschaft Einzug halten. Wenn Leute ein Gebäude kaufen, werden sie fragen: Wie sieht es denn mit der Nachhaltigkeit aus? Ist es zertifiziert oder nicht? Hat es den Energiepass? Und so weiter… Das wird sich fortführen und direkte Auswirkungen auf die Werthaltigkeit von Immobilien haben.
Welche Rolle spielt bei dem ganzen Vorgang Prozesstransparenz?
Wir als Projektsteuerer sind von vornherein schon dazu verpflichtet, die Prozesse transparent zu machen. Insofern begrüße ich das Thema, weil die ganzen Kriterien, die wir bei der Nachhaltigkeit diskutieren, jetzt unter diesem Aspekt Eingang finden. Die Qualität in den Planungsprozessen kann bei richtiger Steuerung dadurch erhöht werden.
Herr Dr. Preuß, vielen Dank für das Gespräch.
am 9. August 2010 um 13:59 Uhr
Die meisten privaten Hausbesitzer sanieren energetisch, damit ihr Haus behaglicher wird und sie sich wohler fühlen. Die Kosteneinsparung muss dann gar nicht die Investitionskosten ganz aufwiegen.