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Dubai: Das Aus für Spekulanten?

Von – 13.04.10 – Kategorien: Nachhaltigkeit

Vier Monate ist es her, da verfiel die Finanzwelt in (eine kleine) Panik. Dubai World, ein staatseigenes Konglomerat des Emirats Dubai mitsamt seiner Tochter, dem Bauunternehmen Nakheel, bat um Zahlungsaufschub für seine Schulden – es ging um 3,5 von 59 Milliarden US-Dollar. Dubai stand damit vor einer extremen finanziellen Strapaze. Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt, das Nachbaremirat Abu Dhabi sprang mit einer Finanzspritze ein und auch das Emirat Dubai selbst steht für Schulden gerade.

Dubai, das Land der Spekulanten. Anders kann der Zustand der letzten Jahre in dem Emirat am Persischen Golf wohl kaum beschrieben werden. Da das Emirat im Gegensatz zu seinen direkten Nachbarn relativ wenig Öl besitzt, verfolgte man ein anderes Ziel: Man hat auf eine Expansion als Wirtschafts- und Finanzzentrum gesetzt und dabei die Absicht verfolgt, die Attraktivität von London und New York zu erreichen. Ein Großteil der Investitionen floss in Immobilien, wobei geschätzt wird, dass 80 Prozent der Immobilienkäufe von Spekulanten getätigt wurden – bevor es überhaupt zum Bau kam, hatten die Projekte schon mehrmals den Besitzer gewechselt. Und die Sache lohnte sich – zumindest bis zur Subprimekrise, wobei es wohl in jedem Fall irgendwann gekracht hätte.

Knight Frank, das weltweit größte Maklerunternehmen, stellte noch für das dritte Quartal 2008 einen Zuwachs um 75 Prozent bei den Hauspreisen gegenüber dem Vorjahr fest. Inzwischen hatten sich aber die Aussichten stark eingetrübt. Deutsche Bank Research wurde skeptischer und prophezeite im Februar 2009 heftige Preiskorrekturen. Der Wealth Report 2010 macht Dubai von daher auch als den Ort aus, an dem die Preise für Wohnimmobilien im Vergleich zum Vorjahr am stärksten gefallen sind: minus 45 Prozent. Vor dem geschilderten Hintergrund keine Überraschung.

Diese Entwicklung, die Abhängigkeit vom Immobilienmarkt, hatte jedoch noch weitere Folgen: Schätzungen gehen davon aus, dass 400 Bauprojekte mit einem Volumen von 320 Milliarden Euro in den Vereinigten Arabischen Emiraten abgeblasen wurden. Der Leerstand nimmt zu, viele Arbeitskräfte aus dem Ausland verloren durch die Krise ihren Job, mussten das Land verlassen.

Abzuschreiben ist Dubai deswegen jedoch noch nicht. Abu Dhabi schoss Milliarden zu, Dubai selbst arbeitet an einem Umschuldungsplan. Die Ratingagentur Moody’s nennt die Pläne umsetzbar. Nicht zu verhindern ist wohl, dass sich Dubai World dabei von einem Teil seines Vermögens trennen muss, konkrete Umsetzungen sind anscheinend in Arbeit. Dies solle jedoch nur passieren, wenn Zeitpunkt und Preis stimmen, wie Aidan Birkett, verantwortlich für die Restrukturierung der Staatsholding, auf Handelsblatt.com zitiert wird.

Nun ist die Zeit gekommen, in der der Markt gesäubert wird. Uwe Forgber, Mitarbeiter von conject in Dubai, sagt: „Kurzfristige Geschäftsmodelle von Investoren im Real-Estate-Bereich werden von längerfristigen Ansätzen abgelöst.“ Nah-Ost-Expertin Sonja Ohly fügt hinzu: „Für Bauunternehmer scheinen sich aufgrund von Regierungsprogrammen, Investitionen in die Infrastruktur und maßgeschneideter Technologien die Bedingungen in den meisten neuen Märkten zu verbessern.“

Eine weiterer Aspekt ist, dass Dubai für die Vereinigten Arabischen Emirate weiterhin von entscheidender Bedeutung ist. Strategisch ergänzen sich die einzelnen Emirate gut. Abu Dhabi besitzt das Öl, Dubai die Infrastruktur und die Sitze vieler ausländischer Unternehmen.

Investitionen werden sich wohl auch zukünftig – sofern sie seriöse Rentabilitätsziele aufweisen und auf Nachhaltigkeit geprüft werden – lohnen. Doch es wird nicht mehr zu den aberwitzigen Gewinnen kommen. Zudem kann Dubai von Unternehmen als Brückenkopf für die gesamte Region genutzt werden, wie auch conject-Mann Forgber sagt: „Wir nutzen Dubai schon jetzt auch als Hub in diverse andere Regionen der Welt, die in wenigen Stunden einfach erreichbar sind.“


Kommentare

Meier

am 13. April 2010 um 16:36 Uhr

Ist das wirklich so? Dubai wurde m.M. nach so hart getroffen, dass es sich nur schwer wieder erholen wird.

Christoph Berger

am 13. April 2010 um 17:35 Uhr

Das Unternehmen Dubai World ist eine Staatsholding. Bei ihr liefen die Probleme auf. Das Emirat hätte das Unternehmen auch pleite lassen gehen können – theoretisch. Wie sich aber momentan herauszukristallieren scheint, werden sowohl die Gläubiger als auch das Emirat und das Unternehmen selbst die nötigen Kräfte aufbringen, um die Schulden zu tilgen bzw. der Situation Herr zu werden. Es könnte eine Umschuldung auf das Emirat geben, wofür allerdings neue Anleihen notwendig sind. Einige der Gläubiger scheinen bereits damit einverstanden. Dubai World wird sich zudem von einigen Bereichen trennen müssen. Wie in dem von mir verlinktem Handelsblatt-Artikel zu lesen ist, könnte dies unter anderem Inchcape, ein Dienstleister für die Schiffsbauindustrie, sowie Anteile von DP World sein, dem viertgrößten Hafenbetreiber der Welt, an dem Dubai World demnach 77 Prozent hält. Es bestehen außerdem noch weitere lukrative Beteiligungen, die man veräußern könnte. Und nicht zu vergessen die Finanzspritze Abu Dhabis.
Bei all dem bleibt natürlich immer ein Risiko – nicht umsonst sind die Risikoprämien gestiegen. Doch sollte sich die Gesamtsituation wieder verbessern und wird sich Dubai World mit seinen Gläubigern einig, stehen auch wieder bessere Zeiten an – wenn, wie auch erwähnt, die Rentabilität stimmt und der Bedarf für das Gebaute auch tatsächlich da ist.

Christoph Berger

am 20. Mai 2010 um 10:30 Uhr

Wie Reuter Deutschland heute mitteilt, hat sich “Dubai World nach eigenen Angaben mit seinen Gläubigerbanken grundsätzlich auf einen Umschuldungsplan für 23,5 Milliarden Dollar geeinigt.” Das Vorhaben muss jedoch noch von denjenigen Finanzinstituten akzeptiert werden, die nicht zum Kern der Verhandlungsrunde gehörten.

E.T.

am 4. August 2010 um 14:28 Uhr

Umschuldungspläne, Neuorientierungen etc. Investitionen in Dubai bleiben riskant, denke ich, aber man muss auch sehen, dass der Markt nicht tod ist sondern sich verändert! Jüngstes Beispiel: Wir gewinnen wieder Aufträge, nicht nur in Abu Dhabi oder Kuweit, nein auch wieder in Dubai: http://www.conject.com/fileadmin/conject/redaktion/presse/download/100804_conject_Presseinfo_FM-Experte_Keith_Birch.pdf

Christoph Berger

am 13. September 2010 um 10:19 Uhr

Wie NZZ Online berichtet, hat sich der staatliche Mischkonzern Dubai World mit seinen Kreditgebern auf eine Umschuldung geeinigt – 99 Prozent der Gläubiger hätten der Umstrukturierung bereits zugestimmt.

Unsere Top-10-Artikel im Jahr 2010 -- ILM Forum – Der Blog über Nachhaltigkeit im Immobilien Lebenszyklus

am 6. Januar 2011 um 12:45 Uhr

[...] Dubai: Das Aus für Spekulanten? [...]

Koray Karaali

am 7. Januar 2011 um 14:06 Uhr

Es gibt einen tollen Blog über Dubai und die VAE den ich nur empfehlen kann:

http://www.hallodubai.com/blog/

vg
Koray Karaali

Koray Karaali

am 11. Februar 2011 um 07:37 Uhr

Exklusiv bei uns auf ILMforum.de finden Sie einen Beitrag zur aktuellen Situation von Dubai und Nachbarstaaten:

http://www.ilmforum.de/nachhaltigkeit/in-dubai-ist-das-leben-der-glucksritter-beendet.html


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