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Immobilienwelt 2020: 10 ‘Lessons Learned’ zum Klimaschutz für Kommunen

Von – 05.10.10 – Kategorien: Nachhaltigkeit

Klimaschutz auf handelnder Ebene – inzwischen haben 1.000 Gemeinden, Städte und Landkreise die Fördermittel für ein Klimaschutzkonzept beantragt. 10 ‘Lessons Learned’ aus den bisherigen regionalen und lokalen Klimaschutzbemühungen:

1. “Es geht!”
Fast jede energetische Potenzialanalyse einer Gemeinde zeigt: Es geht! “20-20-20 – lautet die europäische Formel: Bis 2020 soll 20% weniger Treibhausgas (gegenüber 1990) emittiert werden und 20% des Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien kommen. Inzwischen werden schon 30 statt 20% diskutiert. Viele Regionen haben sich sogar 100% vorgenommen: Sämtlicher Energieverbrauch soll zukünftig aus erneuerbaren Energien kommen. 5,7 Millionen Deutsche leben heute schon in einer “100%-EE-Region”, planen vollständig von fossilen Energien loszukommen.

2. Klimaschutz und Energiewende sind dasselbe
Klimaschutz zielt auf die Reduzierung von Treibhausgasen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle entstehen. Wichtigstes Klimaschutzziel: Weniger oder gar keine fossile Energie mehr zu verbrennen. Andere Verursacher von Treibhausgasen (“Kühe atmen Methan aus”) oder technische Lösungen (Speicherung von CO2 in Salzstöcken) spielen in lokalen Klimaschutzprogrammen keine Rolle.

3. Wachstum ist bei gleichem Energieverbrauch möglich
Mehr als die Hälfte des Klimaschutzbeitrags muss aus Energieeinsparung kommen. In  der Wissensgesellschaft von heute ist Wachstum auch bei gleichem Energieverbrauch möglich. Experten entdecken 80% oder mehr Einsparpotenzial – ohne die Qualität zu senken. Und in einem gut gedämmten Haus lebt es sich deutlich besser als in einer Altbau-Energieschleuder.

4. Die wahren Energiefresser, die Gebäude, haben höchste Priorität
Wer es ernst meint mit Klimaschutz und Energiewende, muss sich zuallererst um die wahren Energiefresser, die Gebäude, kümmern. Sie verursachen die Hälfte unseres gesamten Energieverbrauchs, 80% davon zum Heizen. Das “Null-Emissionshaus” ist keine Zukunftsmusik, daher: Nicht länger warten! Architekten, Planer und Handwerker müssen jetzt die neue Art zu bauen lernen!

5. Geld für den Handwerker im Ort, nicht den Scheich in Arabien
Vor allem die Bauten im Bestand müssen energetisch saniert werden, die Quote liegt erst bei 1,5 statt den  notwendigen 3 bis 4%. Ein Nachrüstungsbedarf von geschätzten 2,6 Billionen Euro für ganz Deutschland und ein Investitionsprogramm, das Energieimporte durch Baumaßnahmen ersetzt. Geld für den Handwerker im Ort, nicht den Scheich in Arabien.

6. Energieberatung ist der Einstieg in den CO 2 -Ausstieg
Der sofortige Null-Emission-Standard rechnet sich (noch) nicht im Bestand, denn: 680 bis 750 Euro Sanierungskosten (pro qm Wohnfläche) ersetzen nur 15-20 Liter Heizöl. Aber 80% der Einsparung lassen sich oft schon mit 20% des Aufwandes erzielen. Womit also anfangen? Antwort gibt der Energieberater – der erste Schritt zur neutralen, produktunabhängigen Beratung durch den Förderdschungel weg von hohen Heizkosten und raus aus der CO2-Erzeugung.

7. Geburtshilfe durch die Gemeinde mit Rabatt im Rathaus
Gemeinden sollten helfen und kräftig die Werbetrommel rühren für ihre lokalen Energieberater. Am besten binden sie sich an einige qualifizierte für mehrere Jahre, schnüren mit diesen Beratungspakete – direkt buchbar auf Rabatt im Rathaus. Für das richtige Preis-Leistung-Verhältnis  steht der Bürgermeister persönlich mit seinem guten Namen, das senkt die Hemmschwelle.

8. Laufen Sonne und Wind fast von allein, ist der Bürgermeister wie auf Drogen
Windräder und Photovoltaik-Anlagen sind unter drei Bedingungen sehr rentabel: Es braucht ausreichend Sonne oder Wind, Flächen sind verfügbar und es muss erlaubt sein! Hier muss der Gemeinderat als erstes über seinen Schatten springen, Beschränkungen aufheben. Das erste Windrad ist am schwersten. Danach ist der  Bürgermeister wie auf Drogen. Denn ein kleiner Windpark bringt über 100.000 Euro Gewerbesteuer im Jahr.

9. Es geht vor allem um Wärme und Verkehr
Alle reden vom Strom, dabei geht es v.a. um Wärme und Verkehr. Wärme macht 38% unseres Energieverbrauchs aus, Strom nur 21%. Selbst der Verkehr ist mit 28% noch wichtiger. Hersteller orientieren sich wieder um, es werden Alternativen zum Benzin- und Dieselmotor gesucht.
Shoppingcenter mit Batterie-Auflade-Stationen sind die neuen Initiativen nachhaltig denkender Entwickler und Betreiber.

10. Die Gemeinde bestimmt über Leben und Tod
Aller orten Aufbruch-Stimmung im Klimaschutz, aber handeln muss der Bürger in seiner Gemeinde! Dort (und nicht auf Landkreis- oder Regierungsbezirksebene) werden “integrierte Klimaschutzkonzepte” umgesetzt. Hier wird die Energiewende Realität – oder sie stirbt.

Hier gehts weiter zur äußerst kritischen Reaktion von Prof. Dr. Gerhard Wiegleb auf die 10 oben genannten Thesen von CEO Martin Reents!

Bildquellenangabe: doro52 / pixelio.de


Kommentare

Thesen von CEO Martin Reents in der Kritik! -- ILM Forum – Der Blog über Nachhaltigkeit im Immobilien Lebenszyklus

am 19. November 2010 um 15:59 Uhr

[...] Dies ist eine Reaktion von Prof. Dr. Gerhard Wiegleb auf den Blogpost von Martin Reents (CEO der conject AG) hier auf ILMforum.de: 10 Lessons learned zum Klimaschutz! [...]


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