Von Christoph Berger – 12.05.10 – Kategorien: Nachhaltigkeit
Am 10.05. fanden in Berlin die masterplan talks zum Thema “Nachhaltigkeit – kurzfristiger Trend oder Entwicklung mit Bestand?” statt. Leider konnte ich selbst daran nicht teilnehmen. Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe, stellte dem “ILM Forum – der Blog” jedoch freundlicherweise seine Präsentation zur Verfügung, so dass wir hier über die Inhalte seines Expertenvortrags berichten können.
Mit dem Begriff Nachhaltigkeit gibt es ein Missverständnis. Er spielt ein Rolle, wird jedoch meist nur auf die Energieeffizienz bezogen. Doch Nachhaltigkeit ist nicht alleine Energieeffizienz und Ökologie. Daneben spielen in gleicher Ausprägung die Ökonomie und Soziokultur eine Rolle – alle drei Säulen beeinflussen sich gegenseitig in Sachen technischer Qualität und Prozessqualität.
Während die Ökologie auf einen geringen Energiebedarf sowie auf saubere und regenerative Quellen abzielt, setzt die Ökonomie auf niedrige Lebenszykluskosten, auf Werterhalt und Wertsteigerung. Die Soziokultur betrachtet die ÖPNV-Anbindung, die Barrierefreiheit und Behaglichkeit. Für die Prozessqualität ist die Auswahl des Architekten entscheidend.
Betrachtet man nun den Lebenszyklus einer Immobilie, wird der in Konzept, Planung, Erstellung, Nutzung und Abbruch unterteilt. 80 bis 85 Prozent der Gesamtkosten fallen dabei in der Nutzungphase an. Je länger diese dauert, desto größer wird die potentielle Einsparung bei integraler Lebenszyklusplanung im Gegensatz zu einer konventionellen Planung.
Mit dem Blick auf den Wohnungsbau, ist auch hier festzustellen, dass Nutzer Nachhaltigkeit in erster Linie mit Energieeffizienz und Nebenkosten verbinden. Bei der Wahl einer Immobilie legen sie außerdem Wert auf Wohlbefinden und Individualisierung. Ein Umstand, der für die Entwickler von Wohnimmobilien Zielkonflikte mit sich bringt. Zum Beispiel wären aus energetischer Sicht nicht öffenbare Fenster sinnvoll. Allerdings würde eine solche Konzeption bei vielen Nutzern Unbehagen hervorrufen, so dass im Wohnungsbau Nachhaltigkeit mit dem Nutzwert einhergehen muss. Denn klar ist: Gebaut wird für den Nutzer.
Ebenso darf die Investorensicht auf Nachhaltigkeit nicht bei der Energieeffizienz enden. Die Aspekte Lage, Anbindung, Umfeld und Versorgung müssen ebenfalls eine Rolle spielen. Genauso das Wohlfühlambiente und der Anspruch an das Design.
Versucht man einen Ausblick, so wird 2012 eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) erwartet. Beim Bau und bei der Kapitalanlage müssen Wohnungen der EnEV voraus sein. Und geht man auf die Behaglichkeitswünsche der Nutzer ein, so gibt es auch in Bezug auf die Innenarchitektur immer wieder neue Möglichkeiten. Wohnwert und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch.
Was für die Wohnimmobilien gilt, ist auch für Gewerbeimmobilien Voraussetzung: Nachhhaltigkeit ist mehr als Energieeffizienz. Anhaltspunkte liefert der Kriterienkatalog des DGNB-Gütesiegels für Gewerbegebäude. Zusätzlich ist das Konzept der kurzen Wege wichtig, die Nutzungsmischung. Denn nachhaltig ist ein Gebäude auch nur dann, wenn es genutzt wird. Zudem beinhaltet der Begriff Lebensfreude, intelligenten Konsum, befriedigenden Wohlstand und nachhaltiges Wachstum.
Insgesamt sollte beim nachhaltigen Bauen immer der Gedanke präsent sein: Für wen bauen wir? Man sollte sich davon entfernen, Nachhaltigkeit nur mit Energieeffizienz zu verbinden. Die Lage, Nutzungsmischung, Nachhaltigkeit auf allen drei Ebenen – der Ökologie, der Ökonomie und der Soziokultur – wird wichtiger. Und: Nur eine umfassende Betrachtung ermöglicht nachhaltige Investments.
Bildnachweis: Bayerische Bau und Immobilien Gruppe
am 19. Mai 2010 um 10:34 Uhr
Zum Thema Nachhaltigkeit auf den Verkehrswert von Immobilien führt die TU München gerade eine Umfrage durch. Dabei wird eine Zufriedenheitsanalyse der Nutzer von Büroimmobilien durchgeführt. Wer also seiner Meinung Gewicht verleihen und nicht nur darüber reden möchte, der sollte auch teilnehmen. Hier geht’s zur Umfrage: