Von Christoph Berger – 21.05.12 – Kategorien: Immobilien,Nachhaltigkeit
83 Prozent der österreichischen Konsumenten glauben, dass nachhaltige Gebäude in Zukunft mehr nachgefragt werden: Das ist eines der zentralen Ergebnisse der ImmoNachhaltigkeits-Studie 2012, die letzte Woche veröffentlicht wurde. In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), Rhomberg Bau, dem Aluminium-Fenster-Institut (AFI) und Pro Projekt Baumanagement & Planung hat das Beratungsunternehmen wiko die Studie unter dem Titel „Nachhaltige Immobilien – was sagt der Konsument“ initiiert.
Basis der Studie ist eine von Karmasin Motivforschung unter 950 Konsumenten durchgeführte telefonische Umfrage, repräsentativ für Österreicher ab 18 Jahre. Ergänzt wurde die Konsumentenumfrage durch eine Online-Befragung bei Wohnungssuchenden von IMMOBILIEN.NET unter weiteren 482 Befragten.
Während bisherige Studien zum Thema “Nachhaltige Immobilien” Investoren, Bauherren oder gewerbliche Mieter als Zielgruppe im Blick hatten, wurde in der hier vorgestellten Studie untersucht, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit für Konsumenten und Wohnungssuchende einnimmt. Danach gaben zwei Drittel der Befragten an, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema für ihre eigene aktuelle Wohnsituation ist.
Mehr Geld für Blue Buildings
“Ein überraschendes Ergebnis ist die Tatsache, dass ein Großteil der Konsumenten bereit wäre, für ein Blue Building mehr zu bezahlen”, erklärt Philipp Kaufmann, Gründungspräsident der ÖGNI. Dies jedoch nur dann, wenn nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Qualitäten wie Kostenfaktoren, Gesundheit und Lebensqualität gegeben seien. Bei Blue Buildings wird der gesamte Lebenszyklus von der Planung über die Bau- und Nutzungsphase bis zum Abbruch dokumentiert.
Angebot entspricht nicht den Wünschen der Konsumenten
Deutlichen Verbesserungsbedarf orten die Befragten bei der Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche. Im Vergleich zu Bioprodukten im Supermarkt oder Ökostromangeboten sieht nur ein Drittel der Befragten das Thema im Immobilienbereich gut verwirklicht. Die Leute würden zwar nachhaltigen Wohnraum suchen, das Angebot entspreche aber nicht ihren Anforderungen. Die Branche wäre daher gut beraten, mehr auf die Wünsche der Immobiliensuchenden einzugehen, sagte ein an der Studie beteiligtes Unternehmen.
Neben der finanziellen Gesamtbelastung durch Miete und Betriebskosten nennen die Wohnungssuchenden in erster Linie gesundheitliche Aspekte, die ihnen bei der neuen Immobilie wichtig sind.
Wenig Wissen über Förderungen und Energieausweis
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist: 53 Prozent der Konsumenten geben an, keine Förderungen für die Sanierung eines Eigenheimes zu kennen. Die Wiener Konsumenten schneiden dabei mit 71 Prozent besonders schlecht ab. Darüber hinaus gehen nur 16 Prozent der Konsumenten und 21 Prozent der Wohnungssuchenden davon aus, dass ein Energieausweis für ihre Immobilien vorliegt.
Langlebigkeit und Dämmung
Die Nachhaltigkeit bei Gebäuden ergibt sich auch durch den Einsatz der Baustoffe. Im Rahmen der Studie wurde daher abgefragt, welche Eigenschaften den Konsumenten zum Beispiel bei Fenstern wichtig sind. Langlebigkeit sowie dauerhafte Wärme- und Schalldämmung werden dabei als die wichtigsten Kriterien genannt. In punkto Energiegewinnung bevorzugen drei Viertel der Konsumenten die Nutzung von natürlichen Ressourcen – von der Sonne über Wasser bis zur Erdwärme.
Informationsoffensive gefordert
Nach Ansicht der Initiatoren zeigt die Studie klar eine Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. Die Immobilienbranche und Politik seien daher aufgefordert, auf die Wünsche der Konsumenten besser einzugehen und diese umzusetzen. Außerdem sei es notwendig, umfassender und nachhaltiger zu informieren, um die Unwissenheit in Bezug auf wesentliche Instrumente wie den Energieausweis zu reduzieren
Die gesamte Studie gibt es auch zum Download (PDF).
Bildnachweis: Gerd Altmann / pixelio.de