Von Koray Karaali – 19.11.10 – Kategorien: Nachhaltigkeit
Dies ist eine Reaktion von Prof. Dr. Gerhard Wiegleb auf den Blogpost von Martin Reents (CEO der conject AG) hier auf ILMforum.de: 10 Lessons learned zum Klimaschutz!
Prof. Dr. Wiegleb ist Dozent an der FH Dortmund im Institut für Mikrosensorik und Fahrzeugelektronik.
Sehr geehrter Herr Reents,
In der Zeitschrift ZENO haben Sie einen Artikel über Ihren Praxiserfahrungen zum Thema Klimaschutz und CO2-Reduzierung veröffentlich. Zu diesem Bericht erlaube ich mir einige kritische Anmerkungen zu machen.
Sie behaupten Klimaschutz und Energiewende sind dasselbe.
Das ist nicht der Fall. Der Zusammenhang zwischen dem Erdklima und dem Ausstoß von CO2 ist wissenschaftlich bisher durch keine Theorie bestätigt worden. Es gibt erhebliche Zweifel an diesem Zusammengang. Auch der Weltklimarat/IPCC kann sich daher nicht auf wissenschaftlich abgesicherte Fakten berufen und spricht in den zugänglichen Berichten daher nur von „einer hohen Wahrscheinlichkeit“. Diese Wahrscheinlichkeit wird aber von vielen Wissenschaftlern stark angezweifelt .
Eine Energiewende ist, vor diesem Hintergrund, vollkommen Fehl am Platz. Sinnvolle Energieeinsparungen sind anders zu bewerten. Wenn Energiekosten steigen, kann jeder der davon betroffen ist selbst entscheiden, ob er Einsparungen vornehmen möchte oder nicht. Eine staatliche Bevormundung, wie sie im Übrigen per Gesetz geplant ist, läuft dann faktisch auf eine Enteignung der Hausbesitzer hinaus.
Sie beziffern die Sanierungskosten auf 680-750 € pro m2 Wohnfläche.
Tatsächlich muss man für die Umrüstung eines älteren Hauses, auf den Null-Emissions-Standard, weit mehr als 1000€ veranschlagen . Für ein Einfamilienhaus mit 150 m2 Wohnfläche wären das 150 T€, die dann als staatliche Zwangsmaßnahme fällig wären. Ihre Argumentation und Sprachweise zielt hingegen auf eine Verniedlichung dieser Fakten ab.
Sie behaupten das Wachstum bei gleichem Energieverbrauch möglich ist.
Ihr Argument, der Wissensgesellschaft, ist leider sehr schwach. Industrien, die viel elektrische Energie benötigen, wie z.B. die Aluminium-, Kupfer- und Eisenindustrie haben sich bereits aus Deutschland verabschiedet und produzieren zunehmend im Ausland. Vornehmlich in China. Dort gehen aber regelmäßig neue Kohlekraftwerke ans Netz. Wir können in Deutschland gar nicht soviel CO2 einsparen, wie in anderen Industrieländern hinzukommt. Mittlerweile spricht man sogar von einer schleichenden Deindustrialisierung Deutschlands, die durch den teueren Ökostrom hervorgerufen wird.
Sie behaupten „Geld für den Handwerker nicht für den Scheich“.
Auch dieses Argument und die Sprachweise sind sowohl Falsch als auch Irreführend. Im Gebäudebereich wird heute fast ausschließlich mit Erdgas geheizt (in ländlichen Gebieten zunehmend auch mit Holz). Das Erdgas kommt aber nicht aus Arabien, sondern zumeist aus Russland, Holland und Deutschland.
Weiterhin führen Sie in diesem Abschnitt an, dass sich die notwendigen Renovierungskosten für Deutschland auf 2,6 Billionen € belaufen würden, um das Weltklima zu retten. Das sind 2 600 000 000 000 € oder 2,6 1012 €. Bezogen auf jeden der 80 Mio. Bundesbürger, ob Hausbesitzer, Mieter, Kinder, Rentner, Arbeitsloser oder einer der 6,5 Mio. Hartz IV Empfänger müsste dann 32 500 € für diese Maßnahmen aufbringen. Ein „normaler“ 4-Personenhaushalt müsste daher 130 000 € spendieren, um diese Ideen zu verwirklichen. Diesem Irrsinn ist glaube ich nichts hinzuzufügen. Als Mathematiker müssten sie mit solchen Zahlen umgehen können. Der gesunde Menschenverstand reicht dann für die weitere Bewertung aus, um zu erkennen, dass das der Ruin für unser Land ist.
Sie behaupten das Sonne und Wind von alleine laufen und der Bürgermeister dann auf Drogen läuft.
Sonne und Wind tun das in der Tat. Um nutzbare elektrische Energie daraus zu gewinnen braucht man aber mehr. Insbesondere aber mehr Freiflächen. Mehr Platz gibt es in Deutschland aber nicht, um die gesamte elektrische Energie durch Windräder abdecken zu können. Weiterhin scheint die Sonne in Deutschland, im Vergleich zum Rest der Welt, leider auch nur sehr selten. Nachts natürlich gar nicht. Der Platzbedarf und das Speicherproblem sind für diese Energieform aber vollkommen ungelöst. Eine kontinuierliche Energie-versorgung Deutschlands ist daher auch nicht möglich.
Das Windparks Gewerbesteuern bringen ist ebenfalls eine Vertuschung von Tatsachen. Die Betreiber der Windanlage erhalten durch das Energieeinspeisegesetz eine Vergütung, die deutlich über den Abgabepreisen liegt und verdienen damit sehr viel Geld. Die Verträge dazu wurden auf eine Dauer von 20 Jahren geschlossen. Die Energieversorger legen diese Mehrkosten dann auf alle Verbraucher um. Das heißt konkret, dass wie alle eine höhere Stromrechnung bekommen, aus der dann die Gewinne des Windkraftwerksbetreibers bezahlt und die Gewerbesteuern abgeführt werden. Volkswirtschaftlich gesehen ist das für Deutschland kein Gewinn, sondern ein Verlust.
Das dann ein Bürgermeister auf Drogen läuft ist hingegen mehr als nur eine semantische Entgleisung. Ich halte es in diesem Zusammenhang einfach nur für skandalös und verwerflich, das Drogenthema derartig zu verharmlosen.
Eines gemeinsam hat Ihr Vergleich mit einem Drogenabhängigen dennoch. Nach Einnahme der Droge tritt nämlich zunächst einmal Euphorie auf, die Sie ja auch mit Ihrem Artikel versucht haben zu versprühen. Danach kommt allerdings die katastrophale Ernüchterung und die Abhängigkeit von der Droge.
Insgesamt kann ich daher Ihre Ausführungen in dieser Zeitschrift nur als Falsch bezeichnen.
Der Redaktion dieser Zeitschrift werde ich daher eine Kopie dieses Schreiben zukommen lassen und um Richtigstellung bitten.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Gerhard Wiegleb
[1] http://www.youtube.com/watch?v=28glS2XFoF8
[2] R. Haimann Welt am Sonntag Nr.87 vom 19.9.2010
am 19. November 2010 um 16:03 Uhr
[...] Hier gehts weiter zur äußerst kritischen Reaktion von Prof. Dr. Gerhard Wiegleb auf die 10 oben ge… [...]
am 22. November 2010 um 17:05 Uhr
Die Kommentare des Herrn Wiegleb sind, in Anbetracht unserer globalen klimatischen Situation, völlig fehl am Platz. Beim Lesen der spitzen und kleinlichen Antworten sieht man geradezu, wie die Augen vor einem offensichtlichen Problem verschlossen werden. Aber alles halb so wild – die nächste Generation ist sowieso stärker betroffen als wir…
am 23. November 2010 um 15:56 Uhr
Eine sehr eigenartige Position, die Prof. Wiegleb da vertritt. Sicherlich gut, wenn man sich ins Gespräch bringen möchte, aber wohl weniger gut, wenn man die drängenden Probleme anpacken will/muss. Und: Lösungen oder schlüssige Begründungen liefert er ja nicht.
In seiner “Argumentation” fehlt eigentlich nur noch eine schöne Verschwörungstheorie. Wer könnte denn Schuld sein am Klimawandel? Die Antwort bleibt er schuldig. (Was mich aber irgendwie nicht wundert …)
am 29. November 2010 um 10:22 Uhr
Eine akademische Diskussion über den Zusammenhang zwischen dem Erdklima und dem Ausstoß von CO2 lenkt nur vom eigentlichen Thema ab: Auch wenn – wie Prof. Dr. Gerhard Wiegleb behauptet – die Wissenschaft in Teilbereich an diesem Zusammenhang ihre Zweifel hat, sondern das nichts daran, dass die fossilen Energieträger sich sukzessive ihrem Ende zuneigen.
Und genau darauf zielt die Energiewende ab: Wir müssen in allen Bereichen möglichst autark werden, um für den Tag X bestens gerüstet zu sein. Und das beginnt bereits im kleinen, also kommunalen Raum. Wenn Städte und Gemeinden ihren Bürgerinnen und Bürgern eine Energieberatung anbieten, dann ist das ein sehr begrüßenswerter und keineswegs kritisch zu hinterfragender Schritt. Dasselbe gilt für die klimaschutzpolitischen Initiativen, die in den vergangenen Jahren vom Bund und den Ländern angestoßen wurden.
Selbst wenn Prof. Wiegleb Recht haben sollte, selbst wenn also die Verbrennung von Öl, Gas oder Kohle für das Klima völlig unbedenklich sein sollte: Die Vorkommen dieser Energieträger sind nicht mehr allzu groß. Und darauf müssen wir uns vorbereiten – mit der Förderung von Nutzung regenerativer Energieträger. Und deshalb führt an einer Energiewende kein Weg vorbei.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Bachhuber
Landtagsabgeordneter für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen / Garmisch-Partenkirchen
am 20. Dezember 2010 um 14:45 Uhr
Trotz der unglücklichen Wortwahl “auf Drogen” ist den Thesen ansonsten eine differenzierte Sachlichkeit eigen. Begeisterung über die erreichbaren Wirkungen kommunaler Maßnahmen kann schon auch Euphorie erzeugen. Diese Wortwahl störte Herrn Professor Wigleb und hat ihn ebenfalls zu einer emotional geprägt Argumentation geführt, was leider auch seinen Argumenten nicht zur Wirkung verhilft, eher das Gegenteil bewirkt.
Eine genauere Analyse der Thesen ist angemessen. Eine Energiewende trägt zum Klimaschutz bei, das ist wohl unumstritten; ein Allheilmittel für die Folgen der Klimaveränderungen ist auch die Energiewende noch nicht, aber ein wichtiger Beitrag und – in diesem Beispiel – verbunden mit einer Stärkung kommunaler Strukturen. Wirtschaftlichkeitsrechnungen dazu mögen individuell anders (negativ, aber auch postiv) zu ausgehen, insbesondere dann wenn die Betreiber einer Immobilie oder Anlage zu lange nicht investiert haben. Global geben die Angaben gute Richtwerte an und zeigen vor allem auf welche Chancen im kommunalen Engagement liegen. Wenn die Wirkung, die die Konzentration auf die eigenen Stärken erzeugt, zur temporären Begeisterung führt so ist es gewiß auch ein Motivationsschub für den Wirtschaftsstandort. Eines ist doch gewiss: Industrien mit geringer Wertschöpfung und hohem Primärenergieverbrauch haben in anderen Ländern weitaus bessere Wachstumsperspektiven als in Deutschland, das sieht Herr Wigleb gewiß richtig. Diese Industrien zu ersetzen durch solche mit höherer, lokaler Wertschöpfung und grösserer Nachhaltigkeit ist ein erreichbares Ziel welches mit kommunalem Engagement bewältigt werden kann, das zeigen diese Thesen auch. Bravo!